Interview mit Christoph Meilen, Senior Manager Advisory & Consulting, Deloitte Luxembourg
Seit 2001 haben mehr als 100 Länder die International Financial Reporting Standards (IFRS) eingeführt. Und eine Reihe weiterer wirtschaftlich bedeutender Länder arbeiten bereits an der Angleichung nationaler Standards an die IFRS. Die IFRS-Implementierung wird zweifellos große Herausforderungen mit sich bringen. Aufgrund der gesammelten Erfahrungen der letzten Jahre lassen sich jedoch viele Hürden umgehen und insbesondere IT-seitig muss das Rad nicht wieder neu erfunden werden.
Europa kann bereits auf 8 Jahre Erfahrung zurückblicken und ist daher eine gute Benchmark für Länder, die eine Umsetzung der Rechnungslegungsstandards erwägen oder bereits mit der Umsetzung begonnen haben.
Wir sprachen mit Christoph Meilen, einem erfahrenen Consultant der Deloitte IFRS Group, der seit 2005 an vielen IFRS-Implementierungsprojekten mitgewirkt hat.
Sie haben in den letzten Jahren viele Banken bei der IT-seitigen IFRS-Implementierung unterstützt. Welche Schlüsselfaktoren können Sie erfahrungsgemäß nennen, die eine IFRS-konforme IT-Lösung ausmachen?
Die Datenqualität in den CORE BANKING Systemen ist ein Schlüsselfaktor für die erfolgreiche Implementierung von IFRS-Software-Paketen. Die vollumfängliche Verfügbarkeit von Vertragsdaten für die Finanzinstrumente sowie korrespondierende Markt- und Stammdaten bilden die Grundlage für die Berechnung IFRS-konformer Ergebnisse wie Cashflows, Effektivzins und Fair-Value. Die Erarbeitung pragmatischer Ergebnisse aufgrund fehlender Daten oder schlechter Datenqualität in den vorhandenen Data Warehouses können während der Implementierungsphase als "daily business" angesehen werden.
Worauf sollten Banken dann bei der Auswahl einer geeigneten IFRS-Lösung achten?
Viele Software-Hersteller werben mit umfangreichen IFRS-Lösungen, obgleich diese den Namen oftmals nicht verdienen. Neben einem Rechenkern zur Kalkulation von IFRS-Kennzahlen sollten moderne Software-Pakete auch über integrierte Buchungsengines zur vollautomatischen Buchung von Soll- und Haben-Umsätzen verfügen.
Die Flexibilität, den Kontenplan oder die Buchungsregeln individuell anzupassen, hat sich als eine der Hauptanforderungen europäischer Kunden herausgestellt. Ein weiterer Entscheidungsfaktor bei der Auswahl eines Software-Anbieters ist die Anforderung, parallele Rechnungslegungsstandards – beispielsweise IFRS und Local GAAP – in einem System implementieren zu können.
Nennen Sie weitere Kriterien, die man bei der Auswahl des Softwareanbieters „unter die Lupe nehmen“ sollte?
Erfolgreiche Implementierungsprojekte stellen hohe Ansprüche an das Implementierungs-Team und dessen Expertise. Die Klärung fachlicher Fragen steht oft im Mittelpunkt des Projekts und entscheidet häufig über Verzögerungen oder eine Umsetzung "in Time". So beeinflusst dieser Aspekt maßgeblich den Erfolg oder Misserfolg des Projekts. Gleichermaßen müssen das Finanzinstitut, der Software-Anbieter und ein potentieller Implementierungspartner über die erforderlichen fachlichen Kenntnisse verfügen, um das Projekt in die richtige Richtung zu führen. Neben einem Team aus Experten bilden standardisierte Implementierungsmethoden ein wichtiges Element eines effektiven IFRS-Implementierungsprojekts.